Bereits zwei Tage zuvor hatte ich die Tickets für die Fahrt mit der Wälderbahn von Bezau nach Schwarzenberg reserviert. Das ist eine nette Abwechslung, wenn das Wetter einmal nicht so gut ist oder man zur Abwechslung keine Bergwanderung machen möchte. Da wir uns aber trotzdem etwas an der frischen Luft bewegen wollten, wurde beschlossen, am wälder-auswärtigen Endpunkt der Strecke auszusteigen und vor der Rückfahrt eine kleine Wanderung entlang der Bregenzer Ache und über Schwarzenberg zu machen. Auch diese Tour kannten wir bereits, hatten sie an einem elend heißen und schwülen Tag bereits einmal gemacht. Von daher war ich etwas skeptisch, andererseits war die Temperatur aktuell bei etwa 20 Grad, so dass von heiß und schwül zumindest dieses mal keine Rede sein konnte.

Aber zuerst fahren wir ja mit der Bahn!

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Wir stellen das Auto am Bahnhof in Bezau ab, bewundern die Dampflok und die rußgeschwärzte Schaffnerin (!). Dann besorgen wir die Tickets und lassen uns Plätze zuweisen. Die Fahrt selber ist im Prinzip nicht erwähnenswert, man tuckert halt so vor sich hin und es schuckelt einen auf den harten Bänken ein bisserl rum. Die Geschwindigkeit hat durchaus etwas archaisches, dazu raucht's stark aus dem Kamin von der Lokomotive und außerdem wird immer getutet wenn an der Strecke Zuschauer stehen, also praktisch ständig. Rational begründen lässt es sich eigentlich nicht warum man sich das antut, könnte man doch mit dem Auto dieselbe Strecke in einem Viertel der Zeit zurücklegen, aber offensichtlich stellt sich bei der Fahrt mit der Wälderbahn eine gewisse irrationale Sehnsucht nach einer Vergangenheit ein ("Zeit, die gute, alte"), die keiner von uns je gekannt hat und die bestimmt kein angenehmeres Dasein geboten hat, als wir es jetzt haben. Und es ist natürlich schön, wenn man mitbekommt mit welchem Enthusiasmus die Vereinsmitglieder den 1983 stillgelegten Bahnbetrieb wieder zum Leben erweckt haben. Außerdem ist es ein Mosaikstein des ausgeprägten Wälder-Bewusstseins, das den Urlauber anzieht und für die Bewohner nicht nur wegen des Tourismus wichtig ist.

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Das Ende der Strecke (vom anderen Ende aus gesehen) bildet der Bahnhof Schwarzenberg, der sich in Bersbuch befindet, um es mal so zu sagen, in the middle of nowhere. Es gibt da noch ein Autohaus und auf einer Wiese steht ein witziger Kletterturm (eigentlich eher ein Kletterpfosten, der aber immerhin der höchste Österreichs sein soll).

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Unser Wanderweg überquert zuerst die Bregenzer Ache auf der Straße, um von der anderen Seite aus den Talgrund der selbigen zu erreichen. Dort geht’s erst an einer Kuhweide (ich betätige mich als Kuhflüsterer), danach an einem Sportplatz vorbei und dann langsam rein in die Botanik. Man wandert mal ein paar Schritte rauf und mal wieder runter, im wesentlichen entlang des Flusslaufs. Als wir nach einiger Zeit Pause machen, können wir auch eine Reihe von Paddlern beobachten Wir hatten damit gerechnet, weil nämlich zeitgleich die diesjährigen Bregi Days stattfinden, neuerdings heißt das allerdings "Wälder Kajak Tage". Es war zwar nicht besonders spektakulär, was uns seitens der Kayakfahrer geboten wurde, aber unser Mitwanderer - als alter Paddler - hat sich trotzdem über den Anblick gefreut!

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Irgendwann zweigt die Streckenführung dann links vom Fluss ab und es geht in die Höhe, nach Schwarzenberg. Der Weg dorthin zieht sich etwas, man quert eher langweilig durch Felder hindurch, zum Schluss gibt’s allerdings rechterhand ein paar tolle Bauerngärten zu bewundern. Außerdem finden wir einen kleines Self-Service-Bauernhof-Outlet, wo ich mich nicht zurüchhalten kann, und für 11 Euro eine Flasche selbstgebrannten Kräuterschnaps mitnehme, der - wie sich hinterher rausstellt - durchaus lecker ist.

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In Schwarzenberg machen wir Rast, unmittelbar an einer viel befahrenen Straße, was sich als nett herausstellt, weil man so in der ersten Reihe sitzt, um die zahlreich umherfahrenden Oldtimer bewundern zu können. Man könnte es im freundlichen Gastgarten noch eine Weile aushalten - alleine, wir habe noch ein Rückfahrticket für die Wälderbahn und wollen selbiges auch in Anspruch nehmen.

Also machen wir uns auf den Abstieg Richtung unseres Ausgangspunkts, zuerst auf einem Feldweg, bald danach zweigt aber ein - ausgeschilderter - Trampelpfad über schöne saftige Wiesen ab. Das Ende ist dann eher profan, irgendwann landet man auf der Straße, die von Schwarzenberg nach Bersbach hinab zieht, diese bringt uns zuverlässig aber ohne etwas Interessantes bieten zu können hinab zur Ache und über die Brücke, von der wir losgegangen sind zurück zum Bahnhof.

Wir müssen nicht lange warten um uns nach Bezau zurück schuckeln zu lassen.