Auch am nächsten Morgen vollkommen unerwartet - Sonnenschein. Gut, wir müssen heute einen Gang zurückschalten, aber bewegen wollen wir uns schon ein bisserl. Wir entsinnen uns der Location die uns bei unseren bisherigen Aufenthalten im Bregenzerwald eine temporäre Heimat geboten hat: Bizau! Es gibt dort einen flachen Talboden, einen Rundweg um selbigen, ein Moos und einen Barfußweg. Widerstände ("Ich will aber heute nicht schon wieder wandern") sind schnell beseitigt ("Dann gibt's kein Mittagessen"), außerdem findet die Ankündigung, dass der Weg keinerlei Steigungen beinhaltet allgemeinen Anklang (die Erinnerung hat den Verfasser dieser Zeilen hier getrügt, eine Viertelstunde geht's steil nach oben, aber da sind wir ja schon unterwegs).

Blick über den Bizauer Talboden

So trägt man im Anschluss an das Frühstück oben Sonnen- und unten Zeckenschutz auf (der Verfasser steht dem Barfußwandern selbst grundsätzlich kritisch gegenüber, riskiert man doch Begegnungen mit dem was landläufig als "Natur" bezeichnet wird, wobei es sich der Erfahrung nach um einen durch und durch menschenfeindlichen Lebensraum handelt).

Dann fährt man mit dem Auto los, um sich 10 Minuten später bereits am Parkplatz bei der Kirche und dem Hotel Schwanen in Bizau wiederzufinden (wo wir sicher in Bälde auch wieder ein paar Tage verbringen werden).

Knöterich

Die Entscheidung fällt, die Richtung so zu wählen, dass der Barfußweg am Ende des Spaziergangs steht, möglicherweise vor dem Hintergrund, dass etwaige Befürchtungen hinsichtlich des Ausziehens der Schuhe im bereits erschöpften Zustand leichter wegzudiskutieren sind (ich selbst war bei der Meinungsfindung nicht beteiligt, es wurde an höherer Stelle entschieden). Also gehen wir zuerst am Bizauer Bach entlang nach Reuthe, nicht ohne unterwegs einem ahnungslosen Esel mit einem Büschel hinterhergeschleuderten Löwenzahn einen gehörigen Schrecken einzujagen. Selbiger offenbart eine zutiefst menschliche Eigenschaft, als ihm, erschrocken zur Seite springend, eine gehörige Flatulenz entweicht (kann sein, das interessiert jetzt nicht jeden Leser gleichermaßen, aber ich bemühe mich um Sachlichkeit und Vollständigkeit bei der Darstellung der Geschehnisse).

Hier ist unsere Wegstrecke:


Brüder, zur Sonne

Nach Reuthe beginnt dann besagter Anstieg ("noch zwei Minuten hoch, dann ist's bestimmt vorbei, ich kann mich genau an die Stelle erinnern"), aber bald geht's dann tatsächlich gerade dahin und wir verlieren die dem Berg mühsam abgerungene Höhe wieder. Noch ein paar Schritte entlang des Waldrands, dann kommt der Bach und ein Hinweisschild und ein Bankerl und auch die skeptischen unter uns entledigen sich ihrer Schuhe. Man merkt schnell, es ist Frühjahr, der Winter noch nicht lange her und die Füße haben zuletzt vor 10 Monaten das Licht der Welt geblickt. Ich meine - man sieht es nur, nicht dass hier falsche Vorstellungen aufkommen!

Es geht auch ohne Schuhe

Die Erfinder des Barfußwegs haben sich einiges einfallen lassen, damit die nackten Füße der Begeher auch tatsächlich etwas erleben. Mehrfach geht es durch das Bachbett und man muss sagen - das Wasser ist echt saukalt! Da freut sich die große Zehe, wenn sie kurz danach ins Matschloch getunkt wird - mitsamt den vier Kollegen - denn da ist es schön warm und baazig. Zum Abschluss versucht man, die braune Kruste wieder vom Fuß ab zu bekommen, was nur teilweise gelingt. Wir werden den Weg nächstes Jahr noch einmal machen und dabei darauf achten, ob sich noch Spuren der Vergangenheit finden!

Knabenkraut

Zum Abschluss gibt's noch eine schöne Blumenwiese mit durchaus seltener Flora (als wir weitergehen ruft hinter uns ein fremder Barfüßler "Guck mal, da ist ein Fieberklee", was dem Wissenden ein müdes Grinsen entlockt). Es geht zurück nach Bizau (was im übrigen ein traumhafter Flecken mit tollem Ambiente ist) und von dort zum Berghaus Kanisfluh, wo das verdiente Mittagessen auf uns wartet! Das Wetter hat nicht nur gehalten, sondern es ist im Tagesverlauf sogar immer besser geworden, und so löffelt man zufrieden sein Knödelcarpaccio und das anschließende Bananensplit in sich hinein und genießt bei einem Weißbier den Ausblick von der Terrasse auf die Kanisfluh, die man am Vortag von der anderen Seite erleben durfte.